Außenborder-Steuerung: Pinne oder Fernschaltung?
Wer einen Außenborder kauft, steht früher oder später vor einer grundlegenden Entscheidung: Pinne (Tiller) oder Fernschaltung? Die Wahl klingt zunächst nach einer Frage des Geschmacks, sie hat jedoch handfeste Auswirkungen auf Fahrgefühl, Komfort, Sicherheit und Kosten. Und sie hängt weniger vom persönlichen Vorlieben als von Bootsgröße, Motorleistung und tatsächlichem Nutzungsprofil ab.
Dieser kurze Ratgeber von Aussenborder24 erklärt die Unterschiede zwischen den beiden Steuerungssystemen, wann welches die richtige Wahl ist und wie Sie erkennen, ob ein Hidea- oder Suzuki-Modell in der gewünschten Konfiguration verfügbar ist.

Der grundlegende Unterschied
Bei der Pinne (im Englischen "Tiller") sitzt der gesamte Bedienungshandgriff direkt am Motor. Ein Hebel vorn am Außenborder dient gleichzeitig als Lenkung, als Gasgriff (durch Drehen) und meist auch als Schalthebel. Der Fahrer sitzt oder steht am Heck und steuert das Boot durch direktes Verstellen des Motors.
Bei der Fernschaltung (im Englischen "Remote Steering") sind Lenkung, Gasgeben und Schalten vom Motor entkoppelt. Das Boot wird von einem Steuerstand (Konsole) aus gefahren – mit einem Lenkrad, einem separaten Gas- und Schalthebel und Kabeln oder Hydraulikleitungen, die diese Bedienelemente mit dem Motor verbinden.
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Die Pinne – Die direkte Steuerung
Die Pinne ist die traditionelle Steuerungsform am Außenborder. Sie ist mechanisch einfach, robust und in kleinen bis mittleren Leistungsklassen bis heute die verbreitete Lösung.
Vorteile der Pinne
Maximale Deckfläche: Ohne Konsole und Steuerrad bleibt der gesamte Innenraum des Bootes frei nutzbar. Für Angler ist das ein großes Plus – aus jedem Winkel werfen, keine Wand im Rücken, kein Steuerstand, der Platz kostet.
Niedrigere Kosten: Kein Steuerrad, keine Kabel, keine Hydraulik, kein Konsolenbau. Das schlägt sich sowohl im Anschaffungspreis des Motors als auch in der Bootsausstattung nieder.
Wartungsarm: Weniger bewegliche Teile bedeuten weniger Verschleiß. Es gibt keine korrodierenden Steuerkabel, keine leckenden Hydraulikleitungen. Ein Schmierpunkt an der Pinne, gelegentliche Kontrolle der Gelenke – das genügt.
Direktes Fahrgefühl: Der Fahrer spürt jede Kraft, die auf den Motor wirkt. Für erfahrene Bootsführer ist das ein echtes Plus, gerade beim langsamen Manövrieren, Anlegen oder beim Schleppangeln.
Präzision beim Trolling: Wer beim Angeln einer Bodenstruktur folgen oder eine bestimmte Trolling-Geschwindigkeit halten möchte, hat mit der Pinne die feinere Kontrolle. Die direkte Verbindung erlaubt Mikrokorrekturen, die über ein Lenkrad nur schwer nachvollziehbar wären.
Wo die Pinne an ihre Grenzen kommt
Ermüdung bei längeren Fahrten: Über eine oder zwei Stunden hinweg strengt das ständige Halten und Nachjustieren der Pinne die Schulter deutlich mehr an als das Sitzen an einem Lenkrad. Wer viel unterwegs ist, spürt das im Rücken.
Sitzposition am Heck: Der Fahrer muss immer im hinteren Teil des Bootes bleiben. Für die Gewichtsverteilung ist das nicht optimal, und die Sicht nach vorne kann bei stärkerem Wellengang eingeschränkt sein.
Leistungsgrenze: Ab etwa 40 PS wird die Pinne bei längeren Fahrten spürbar anstrengend, bei über 60 PS oder 115 PS wird sie in vielen Fällen unpraktisch. Große Motoren erzeugen ein Propellerdrehmoment, das nur mit erheblichem Kraftaufwand ausgeglichen werden kann. Deshalb bieten die meisten Hersteller ihre Modelle über einer bestimmten Leistungsklasse gar nicht mehr als Pinnen-Version an.
Weniger Komfort für Passagiere: Familie und Freunde, die mitfahren, sitzen ohne Steuerstand und Windschutz häufig weniger geschützt. Für gemütliche Ausflüge mit mehreren Personen ist das kein Ideal.
Für welche Bootstypen die Pinne ideal ist
- Kleine Angel- und Fischerboote unter 5 Meter
- Schlauchboote und RIBs bis mittlere Größe
- Beiboote / Tender für größere Yachten
- Kleine Aluminiumboote (Jon Boats)
- Boote mit Motorleistung bis etwa 30 bis 40 PS
- Kicker-Motoren zum Trolling an größeren Booten
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Die Fernschaltung – Komfort und Kontrolle vom Steuerstand
Die Fernschaltung ist der Standard bei größeren Booten, bei denen Komfort, Sichtbarkeit und Sicherheit wichtiger sind als das direkte Fahrgefühl am Motor.
Vorteile der Fernschaltung
Komfort: Der Fahrer sitzt oder steht an einer ergonomischen Position, oft unter einem Windschutz. Auch mehrstündige Fahrten sind entspannt möglich, ohne dass Arme und Schultern übermäßig belastet werden.
Bessere Sicht nach vorne: Wer nach vorne schaut, sieht Wellen, Hindernisse und andere Boote rechtzeitig. Auf offenem Wasser und in Marinas ein deutlicher Sicherheitsgewinn.
Stabilere Kontrolle bei höherer Geschwindigkeit: Ein Lenkrad verteilt die Steuerkraft besser auf beide Arme und ermöglicht feinere Korrekturen bei Fahrt. Bei starkem Wind oder in bewegtem Wasser ist die Fernschaltung dem Pinnen-Steuern klar überlegen.
Platz für Instrumente: An einem Steuerstand finden Drehzahlmesser, Tacho, Kraftstoffanzeige, Ladeanzeige, Trimmanzeige, Navigation und Echolot bequem Platz – alles im direkten Blickfeld des Fahrers.
Komfort für Passagiere: Ein Steuerstand bietet Sitzgelegenheiten, Ablagen und Schutz vor Wind und Spritzwasser. Familie und Freunde erleben die Fahrt entspannter.
Nachteile der Fernschaltung
Höhere Anschaffungskosten: Lenkrad, Konsole, Steuerkabel oder Hydraulik, separate Bedienelemente – all das schlägt sich im Anschaffungspreis nieder. Auch der Motor selbst ist in der Fernschaltungs-Ausführung teurer als sein Pinnen-Äquivalent.
Weniger Deckfläche: Eine Konsole nimmt Platz weg. Bei kleinen Booten kann das den nutzbaren Raum spürbar einschränken.
Höherer Wartungsaufwand: Steuerkabel können korrodieren, insbesondere im Salzwasser. Hydrauliksysteme brauchen gelegentliche Kontrolle des Ölstands und der Dichtungen. Nichts Dramatisches, aber deutlich mehr als bei einer Pinne.
Weniger direktes Fahrgefühl: Zwischen Fahrerentscheidung und Motorreaktion liegt eine Übertragung – Kabel oder Hydraulik. Erfahrene Bootsführer beschreiben das Fahrgefühl als "gefiltert".
Für welche Bootstypen die Fernschaltung ideal ist
- Runabouts und Sportboote ab 5 Metern
- Pontonboote
- Center-Console-Boote und Kabinenkreuzer
- Familien- und Freizeitboote für längere Ausflüge
- Wassersport-Boote (Wakeboarding, Wasserski)
- Boote mit Motorleistung über 40 PS – ab etwa 60 PS in den meisten Fällen praktisch alternativlos
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Motorleistung als Entscheidungshilfe
Die Motorleistung ist neben dem Bootstyp der wichtigste Faktor bei der Wahl des Steuerungssystems. Die folgende Übersicht fasst die gängigen Empfehlungen zusammen:
| Leistungsbereich | Empfohlenes System | Begründung |
|---|---|---|
| bis 15 PS | Pinne (Standard) | Kleine Boote, sehr direkte Steuerung ausreichend |
| 15–40 PS | Pinne bevorzugt, Fernschaltung möglich | Übergangsbereich – Nutzungsprofil entscheidet |
| 40–60 PS | Beide Systeme, je nach Anwendung | Angeln → Pinne; Familienboot → Fernschaltung |
| 60–115 PS | Fernschaltung empfohlen | Pinne wird bei längeren Fahrten anstrengend |
| über 115 PS | Fernschaltung – ab ca. 150 PS hydraulisch | Zu hohes Drehmoment für manuelle Steuerung |
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Was der Hidea-Modellcode verrät
Bei Hidea-Außenbordmotoren lässt sich am Modellcode direkt ablesen, ob es sich um eine Pinnen- oder eine Fernschaltungs-Version handelt. Die entscheidende Information steht ganz am Anfang der Buchstabenkombination:
F = Fernschaltung (Remote Control)
H = Hand-/Pinnensteuerung (Tiller Handle)
Ein Modell HDEF 60 FUEL-T EFI ist also eine Fernschaltungs-Version, während HDEF 60 HUEL-T EFI die Pinnen-Variante desselben 60-PS-Motors ist. Bei ansonsten identischer Ausstattung – Elektrostart (E), Langschaft (L), Power Trim (T), EFI-Einspritzung – unterscheiden sich die beiden Varianten nur im Steuerungssystem.
Bei Suzuki-Modellen findet sich die Unterscheidung häufig in einem Zusatzsuffix im Modellnamen. Die Bezeichnungen können je nach Modell variieren, in der Beratung klären wir gerne, welche Version für Ihren Einsatzzweck lieferbar ist.
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Typische Anwendungsszenarien aus der Praxis
Der Angler mit dem 4-Meter-Aluminiumboot
Ein 20-PS-Außenborder mit Pinne ist hier praktisch immer die richtige Wahl. Der Angler sitzt am Heck, hält mit einer Hand die Pinne, mit der anderen die Rute, und passt die Fahrposition mit minimalen Bewegungen an. Der offene Bug bleibt zum Werfen frei. Ein Steuerstand wäre in diesem Boot verlorener Platz.
Die Familie mit dem 5,5-Meter-Sportboot
Ein 60- oder 90-PS-Motor mit Fernschaltung passt hier deutlich besser. Die Familie sitzt geschützt am Steuerstand, der Fahrer hat freie Sicht nach vorne, und längere Ausflüge zur Insel im See bleiben entspannt. Auch das gelegentliche Tubing oder Wasserski funktioniert nur mit Steuerrad und separaten Bedienelementen sicher.
Der Segelboot-Eigner mit Hilfsmotor
Ein 9,9- oder 15-PS-Außenborder als Hilfsmotor für ein Segelboot – hier ist die Pinne Standard. Der Motor läuft nur in Manövern und bei Flaute, der Segler steht ohnehin achtern am Ruder. Ein separater Steuerstand wäre in diesem Kontext überdimensioniert.
Das Hausboot am Steinhuder Meer
Bei einem gemütlichen Hausboot mit 60 PS ist die Fernschaltung die passende Wahl. Ruhige Fahrten mit Familie, viel Komfort, Aufenthaltsqualität an Bord – das alles passt zur Steuerstandphilosophie.
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Kann man von Pinne auf Fernschaltung umrüsten?
Grundsätzlich ja. Viele Außenbordmotoren lassen sich mit passenden Umrüstsätzen von Pinne auf Fernschaltung umstellen. Erforderlich sind:
- Steuerkabel und Anschluss am Motor
- Lenkrad mit Steuerpumpe
- Gas- und Schalthebel mit Bowdenzügen
- Konsole oder Steuerstand am Boot
- Elektrische Anschlüsse für Zündung, Trim und Instrumente
Die Umrüstung ist ein größerer Eingriff, der in den meisten Fällen von einer Fachwerkstatt durchgeführt werden sollte. Für erfahrene Heimwerker mit passendem Werkzeug ist sie machbar, aber die sicherheitsrelevanten Komponenten – Steuerung und Gashebel – rechtfertigen fast immer die professionelle Montage.
Umgekehrt lässt sich ein Fernschaltungs-Motor in der Regel nicht zurück auf Pinne umbauen – dafür sind viele Motoren nicht ausgelegt. Wer sich also unsicher ist, sollte lieber gleich die Pinnen-Version wählen und später umrüsten, statt umgekehrt.
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Beratung bei Aussenborder24
Die Wahl zwischen Pinne und Fernschaltung ist eine, die sich auf die nächsten 15 bis 20 Jahre Bootsleben auswirkt. Wir nehmen uns die Zeit, gemeinsam mit Ihnen den passenden Motor auszuwählen – auf Basis Ihres Bootstyps, Ihrer Nutzung und Ihrer Erwartungen.
Bei Aussenborder24 finden Sie Hidea-Außenborder und Suzuki-Motoren sowohl in Pinnen- als auch in Fernschaltungs-Ausführung. Wenn Sie unsicher sind, welches System zu Ihrem Boot passt, rufen Sie uns kurz an – wir beraten Sie gerne unverbindlich.
Telefon: +49 172 527 5588
E-Mail: info@aussenborder24.de
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Häufige Fragen zu Pinne und Fernschaltung
Was ist der wichtigste Unterschied zwischen Pinne und Fernschaltung?
Die Sitzposition und das Fahrgefühl. Bei der Pinne sitzt der Fahrer am Heck und hat direkten Kontakt zum Motor. Bei der Fernschaltung sitzt er an einem separaten Steuerstand und bedient den Motor über Kabel oder Hydraulik. Damit unterscheidet sich alles Weitere: Deckplatz, Komfort, Kosten, Wartungsaufwand.
Bis zu welcher Motorleistung ist eine Pinne sinnvoll?
Bis etwa 30 bis 40 PS ist die Pinne komfortabel bedienbar. Zwischen 40 und 60 PS entscheidet das Nutzungsprofil – Angler bleiben oft bei der Pinne, Familien-Nutzer wechseln meist zur Fernschaltung. Über 60 bis 115 PS ist eine Pinne bei längeren Fahrten sehr anstrengend, über 115 PS wird sie in den meisten Fällen unpraktisch.
Ist die Fernschaltung sicherer als die Pinne?
Bei stärkerem Wellengang, höherer Geschwindigkeit und größerer Motorleistung ja. Der Fahrer hat mit einem Lenkrad bessere Sicht nach vorne, mehr Hebelwirkung bei plötzlichen Manövern und ist weniger körperlich belastet. Bei kleinen Booten in geschützten Gewässern ist die Sicherheit beider Systeme vergleichbar.
Kann ich am Hidea-Modellcode direkt erkennen, ob es sich um Pinne oder Fernschaltung handelt?
Ja. Der erste Buchstabe des Modellcodes ist entscheidend: F steht für Fernschaltung, H für Handsteuerung (Pinne). Ein HDEF 60 FUEL-T EFI ist eine Fernschaltungs-Version, ein HDEF 60 HUEL-T EFI ist die entsprechende Pinnen-Variante.
Kann ich einen Pinnen-Motor auf Fernschaltung umrüsten?
Grundsätzlich ja, mit passenden Umrüstsätzen. Erforderlich sind Steuerkabel, Lenkrad, Gas-/Schalthebel und eine Konsole am Boot. Die Umrüstung sollte in einer Fachwerkstatt erfolgen. Umgekehrt – Fernschaltung auf Pinne – ist in der Regel nicht möglich.
Welches System ist besser für das Angeln?
Bei kleineren Booten und beim Trolling ist die Pinne meist die bessere Wahl. Die direkte Kontrolle erlaubt feinere Anpassungen, der offene Bug bleibt zum Werfen frei, und der Angler kann intuitiv aus der Sitzposition heraus steuern.
Welches System eignet sich für Familienausflüge?
Klar die Fernschaltung. Ein Steuerstand mit Windschutz, ergonomische Sitzpositionen und die Möglichkeit, längere Strecken entspannt zu fahren, machen die Fernschaltung zur ersten Wahl für alle, die das Boot mit Familie und Freunden nutzen möchten.
Ist der Wartungsaufwand wirklich so unterschiedlich?
Ja, deutlich. Die Pinne braucht praktisch nur gelegentliches Nachschmieren der Gelenke. Eine Fernschaltung mit Steuerkabeln erfordert regelmäßige Kontrolle auf Korrosion und Beweglichkeit; bei Hydraulikanlagen kommt die Kontrolle des Ölstands und der Dichtungen hinzu. Nichts Dramatisches, aber ein realer Unterschied.
Haben Sie weitere Fragen zur Wahl Ihres Außenborders? Kontaktieren Sie uns gerne – wir beraten Sie ausführlich und ehrlich, auch wenn das bedeutet, dass wir Ihnen von einer Kaufentscheidung abraten.
